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  • Carina Staiger

Boreout – wenn permanente Unterforderung im Job zur Belastung wird

Im Berufsleben bleiben Tage der Lustlosigkeit nicht aus. Die Gründe hierfür könnten unterschiedlicher kaum sein. Von Temperaturschwankungen, über einen gestörten Biorhythmus bis hin zur privaten Gefühlslage ist alles mit dabei. Stehen Langeweile und Desinteresse jedoch über einen längeren Zeitraum an der Tagesordnung, ist es höchste Zeit, den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Das Gefühl chronischer Unterforderung gewinnt als krasses Gegenteil zum Burnout zunehmend an Bedeutung. Dieses Syndrom beschreibt ein Ungleichgewicht zwischen Arbeitsauslastung und den Fähigkeiten von Arbeitnehmern. Betroffene bemühen sich, stets als voll beschäftigt zu wirken, wodurch sie sich selbst enorm unter Druck setzen. Dieser Zustand der permanenten Unterforderung im Job ist als Boreout-Syndrom bekannt. Doch was sind die Symptome, und wie verändert sich das Verhalten von Betroffenen?

Die Symptome von Boreout

Wer seine Kollegen nur flüchtig kennt, wird die Symptome eines Boreout-Syndroms nicht auf den ersten Blick erkennen. Tatsächlich leiden zahlreiche Angestellten unter diesem Zustand, ohne dass es überhaupt auffällt. Je länger die Einzelnen von permanenter Unterforderung betroffen sind, desto besser gelingt es ihnen, den Schein maximaler Auslastung aufrechtzuerhalten. Streng genommen ist Boreout keine diagnostizierte Erkrankung. Vielmehr sind es die Symptome selbst, welche enorme psychische als auch physische Folgen verursachen. Treten mehrere dieser Symptome gleichzeitig auf, liegt der Verdacht auf Boreout nahe.

Chronische Unterforderung bestimmt den Arbeitsalltag


Zunächst unterscheidet sich chronische Unterforderung am Arbeitsplatz in zwei Arten. In beiden Fällen sind die Betroffenen grundsätzlich dazu in der Lage, eine höhere Arbeitsleistung zu erbringen. Das jeweilige Unternehmen bietet hierzu jedoch keine Möglichkeit, was sich schließlich in Unzufriedenheit äußert.


Quantitative Unterforderung

Motivation und Tatendrang sind im Grunde die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche berufliche Zukunft. Doch nicht jede Arbeitsstelle fordert die Fähigkeiten von Arbeitnehmern in gleichem Maße. Zahlreiche Arbeitsplätze sind darauf ausgelegt, ausschließlich einfache Tätigkeiten zu verrichten. In Abhängigkeit individueller persönliche Voraussetzungen verbringt beispielsweise Person A den gesamten Arbeitstag mit diesen Tätigkeiten, während Person B bereits zur Mittagszeit alles erledigt hat. Sieht die Arbeitsstelle keine weiteren Tätigkeiten vor, fühlt sich Person B schnell überflüssig, während Person A vollkommen zufrieden ihrer Arbeit nachgeht. Verändern sich die Rahmenbedingungen von Person B über einen längeren Zeitraum nicht, ist diese einem erhöhten Risiko, am Boreout-Syndrom zu erkranken, ausgesetzt.

Qualitative Unterforderung

In diesem Fall ist die Leistungsbereitschaft von Mitarbeitern so hoch, dass diese unaufhaltsam danach streben, sich für die Übernahme höhergestellter Aufgaben zu qualifizieren.. Mehr Verantwortung im Unternehmen ist ein klar definiertes Ziel. In Unternehmen, welches keinerlei Aufstiegsmöglichkeiten bieten, fühlen sich engagierte Mitarbeiter schnell unterfordert. An Arbeitsplätzen, die lediglich auf die Erledigung routinierter Arbeiten ausgelegt sind, kann schnell Frust entstehen.

Desinteresse an der eigenen Arbeit


Dieses Gefühl ist von einer starken Gleichgültigkeit gegenüber dem Unternehmen als auch gegenüber des Arbeitgebers selbst geprägt. Die eigene Arbeit wird als sinnlos empfunden und deren Sinnhaftigkeit in Frage gestellt. Betroffene Mitarbeiter fühlen sich überflüssig und sind davon überzeugt, dass sich ihre Tätigkeit nicht auf den unternehmerischen Erfolg auswirkt. Diese enorme Abwehrhaltung entsteht meist über mehrere Monate oder sogar Jahre.

Langeweile

Damit Langeweile am Arbeitsplatz überhaupt erst entstehen kann, geht diesem Zustand meist quantitative Unterforderung voraus. Sind alle Arbeiten erledigt, wird die restliche Arbeitszeit als endlos empfunden. Die Betroffenen wissen nicht, womit sie die verbleibende Zeit ausfüllen sollen. Die Motivation nimmt täglich ab.

Was sind typische Verhaltensweisen von Boreout Betroffenen?

Der Umstand der Unterforderung wird als unangenehm empfunden. Betroffene Mitarbeiter setzen alles daran, um nicht aufzufallen. Je länger dieser Umstand andauert, desto schwieriger wird es, den Vorgesetzten über darüber in Kenntnis zu setzen. Die Angst, sich für die bisherige Arbeitsauslastung erklären zu müssen, ist meist zu groß. Um beschäftigt zu wirken, beginnen die meisten Boreout Betroffene während der regulären Arbeitszeit private Angelegenheiten zu erledigen. Sobald ein Kollege dem Arbeitsplatz zu nahe kommt, geben sie vor, Geschäftliches abzuarbeiten.

Einfache Aufgaben werden unnötig in die Länge gezogen, um möglichst lange beschäftigt zu wirken. Eine Vielzahl der Boreout Patienten stellt eine starke Verbundenheit gegenüber des Unternehmens in den Vordergrund. Obwohl der Arbeitstag endlos erscheint, suchen sie ihren Arbeitsplatz besonders früh am Morgen auf und verlassen diesen erst spät abends. Nicht selten werden offiziell sogar Arbeiten zu Hause erledigt


Die tägliche Angst, dass der Arbeitsmangel vom Arbeitgeber bemerkt wird, setzt die Betroffenen zunehmend unter Druck. Schwere psychische und physische Störungen bleiben oftmals nicht aus. Der Zustand chronischer Unterforderung bleibt häufig über viele Jahre hinweg unbemerkt. Nur wenigen gelingt es, den Teufelskreis ohne ärztliche Hilfe zu durchbrechen. Glückt die erfolgreiche Therapie, bleibt ein Unternehmenswechsel in der Regel nicht aus, da das Schamgefühl gegenüber Kollegen und dem Arbeitgeber als unüberwindbar empfunden wird.

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